Der Koffer steht bereit, die Tickets sind gebucht, und die Reisevorbereitungen nähern sich dem Abschluss. Doch eine Frage, die viele nicht auf dem Radar haben, kann erhebliche Konsequenzen haben: Sollte man auf dem Anrufbeantworter ankündigen, dass man im Urlaub ist? Was auf den ersten Blick wie eine höfliche Information für Anrufende wirkt, kann tatsächlich ein Sicherheitsrisiko darstellen.
Warum der Anrufbeantworter zur Einladung wird
Kriminologen und Polizeibehörden warnen seit Jahren vor dieser Praxis. Einbrecher sind keineswegs ausschließlich opportunistische Täter, die zufällig an einem schwachen Einstiegspunkt vorbeikommen. Viele organisieren ihre Einbrüche sorgfältig und nutzen alle verfügbaren Informationen, um geeignete Zielobjekte zu identifizieren. Ein Anrufbeantworter mit dem Hinweis „Ich bin vom 15. bis 29. Juli im Urlaub und melde mich danach bei Ihnen“ ist eine direkte Einladung an potenzielle Täter und ist kontraproduktiv, wenn man unbekannte Anrufe identifizieren möchte.

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Die Strategie der Täter: Systematisches Ausspähen
Das Szenario ist simpel und erschreckend realistisch: Ein Einbrecher ruft systematisch Telefonnummern aus dem örtlichen Telefonbuch oder einer Adressliste an. Wer abhebt, wird direkt abgehört, wer nicht abhebt, aber einen Anrufbeantworter mit Urlaubsansage hat, liefert dem Täter präzise Informationen über das freie Zeitfenster. Kombiniert mit einer Adresse aus dem Telefonbuch ergibt sich ein erschreckend vollständiges Bild.
Die sicherere Alternative: Neutrale Ansagen
Die Polizei empfiehlt daher eindeutig, auf urlaubsspezifische Ansagen zu verzichten. Stattdessen sollte man eine neutrale Ansage verwenden, die lediglich besagt, dass man den Anruf gerade nicht entgegennehmen kann und sich so bald wie möglich melden wird. Diese Ansage verrät keinerlei Abwesenheitszeiten und schützt vor neugierigen Tätern.
Gezielte Kommunikation statt öffentlicher Information
Was aber tun, wenn wichtige Kontakte, zum Beispiel Kollegen, Lieferanten oder Verwandte, über die Abwesenheit informiert werden müssen? In diesem Fall ist die persönliche Kommunikation das Mittel der Wahl. Eine direkte Nachricht per E-Mail, SMS oder über einen Messenger ist deutlich sicherer als eine öffentlich zugängliche Telefonansage. Der Unterschied liegt auf der Hand: Die direkte Nachricht geht nur an ausgewählte Empfänger, während der Anrufbeantworter von jedem abgerufen werden kann.
Vorsicht bei der automatischen E-Mail-Antwort
Ähnlich verhält es sich mit dem sogenannten Out-of-Office-Reply in der E-Mail. Wenn dieser automatisch an jeden Absender geschickt wird, inklusive Spam und unbekannter Absender, kann auch hier eine Abwesenheitsinformation in falsche Hände geraten. Experten raten dazu, die automatische Abwesenheitsnachricht nur an interne Absender zu senden oder den externen Versand auf vertrauenswürgierte Kontakte zu beschränken.

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Den bewohnten Eindruck bewahren
Doch der Anrufbeantworter ist nur einer von vielen Punkten, die beim Einbruchschutz während des Urlaubs bedacht werden sollten. Mindestens genauso wichtig ist das äußere Erscheinungsbild der Wohnung oder des Hauses. Rollläden, die dauerhaft geschlossen bleiben, ein überfüllter Briefkasten oder eine vollständig dunkle Wohnung über Wochen hinweg sind deutliche Signale für professionelle Einbrecher. Hier helfen einfache Maßnahmen: Nachbarn, die den Briefkasten leeren, Zeitschaltuhren für Lampen und das Hochfahren der Rollläden tagsüber sind effektive Mittel.
Technische Unterstützung durch Smart Home
Moderne Smarthome-Systeme bieten inzwischen viele Möglichkeiten, die Anwesenheit zu simulieren. Über Apps lassen sich Lichter und sogar Fernseher zu unregelmäßigen Zeiten ein- und ausschalten. Einige Systeme ermöglichen es sogar, per Smartphone auf Bewegungsmelder am Haus zu reagieren und im Verdachtsfall die Polizei zu alarmieren.
Der finale Sicherheits-Check vor der Abreise
Wer eine Alarmanlage oder Videoüberwachung am Haus hat, sollte diese vor Reiseantritt auf Funktionsfähigkeit überprüfen und sicherstellen, dass die Bilder bei Bedarf aus der Ferne abrufbar sind. Auch das Abschließen aller Fenster und Türen, einschließlich des Kellerfensters und des Garteneingangs, ist selbstverständlich, aber wird in der Hektik des Aufbruchs oft vergessen.
